Mittwoch, 14.11.2012

Unglaublich, aber wahr...

...Ich schaffe es doch tatsächlich in diesem Moment endlich (!), meinen Blog mal wieder zu aktualisieren. Ich sags euch, es geschehen noch Wunder auf dieser Welt! ;-)

 

Allerdings hatte ich auch enorm viele Probleme unterschiedlichster Art zu überwinden, die einem Update bis dato im Wege standen. Da waren persönliche Hindernisse (anderweitige Beschäftigung rund um die Uhr, Müdigkeit oder einfach nur Faulheit... und und und), technische Schwierigkeiten (spontaner Internetzusammenbruch, was das automatische Löschen des nach mühevollen Stunden voller Arbeit gerade fertiggewordenen Blogeintrages mit sich brachte... und in Folge dessen einen gewaltigen Wutausbruch meinerseits!! :@) und schließlich zuletzt auch noch eine nicht zu unterschätzende psychische Angeschlagenheit aufgrund meines geklauten oder verlorenen - wie auch immer, jedenfalls tückisch abhanden gekommenen - iPhones!!!!! -.-

Aber zu diesem äußerst tragischen Verlust am Ende ein paar Worte mehr. Jetzt möchte ich mich erstmal erfreulicheren Dingen zuwenden und ein bisschen von den jüngsten (....okaaaay ich gebs ja zu: mehr oder weniger jüngsten... ... ...na schön: eher weniger jüngsten.... *Unschuldsblick*) Ereignissen berichten.

 

Meine dritte Woche in Cusco war im Großen und Ganzen zwar nicht von besonderen Ereignissen geprägt, aber dennoch weiterhin sehr schön. Während dieser Zeit hatte ich ja wie glaub ich bereits im letzten Eintrag erwähnt gemeinsam mit Arjen, einem nach dieser Woche bereits guten Freund aus Holland, Unterricht, da der Rest unserer Ursprungsgruppe entweder bereits die Schulstunden beendet hatte oder aber in Machupicchu anderweitig unterwegs war. Naja, unser Spanisch wurde in dieser Woche zwar schon deutlich besser, allerdings hatten wir wiederum auch nicht das Gefühl so unglaublich großartige Fortschritte zu machen und unser Lehrer in dieser Woche war ebenfalls etwas... seltsam. Also mein Lieblingslehrer wird er sicher nicht mehr, ich will das hier allerdings auch nicht weiter ausführen.

Am Mittwoch war dann schließlich noch Halloween, was hier in Peru ähnlich wie in den USA viel größer gefeiert wird, als dies bei uns in Deutschland der Fall ist. Allerdings ist das "Feiern" dabei wörtlich zu nehmen. So ziehen nicht nur Kinder kostümiert um die Häsuer, um Süßigkeiten zu ergattern, sondern auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ernennen den Tag oder besser gesagt die Nacht zur großen Party. Dabei werden üblicherweise auch Kostüme angezogen, allerdings nicht ausschließlich "Gruselkostüme", sondern wirklich alles mögliche, ähnlich wie bei uns an Fasching. Da einige von uns Freiwilligen bzw. Sprachschülern aufgeschnappt hatten, dass Kostüme sogar Voraussetzung sind, um an Halloween in die Clubs zu kommen, sind wir ein Tag zuvor spontan noch in einer größeren Gruppe nach der Schule losgezogen, um uns - wenn schon keine großen Verkleidungen - zumindest ein paar bunte Federmasken zu suchen. Einige wählten dann aber doch ausgefallenere und teilweise recht spektakuläre Kostüme. So hatten wir schließlich u.a. Pocahontas, Krankenschwestern, Pink Panther, Scream-Monster und einen Arzthelfer (?) in unseren Reihen.

Am Mittwoch selbst haben wir uns dann schließlich zuerst alle in einer Bar getroffen und sind schließlich noch in einen Club - unseren Stammclub bisher, das "Mythology" - weitergezogen. Dabei konnten wir übrigens feststellen, dass vor allem für weiße Mädchen eine Verkleidung für den Einlass überflüssig war, da diese eh überall mit offenen Armen empfangen werden. Wie auch immer, es war auf jeden Fall eine lange und ziemlich lustige Nacht, auch wenn ich schließlich wirklich totmüde war, als ich irgendwann um 4 Uhr morgens in mein Bett gefallen bin.

Am nächsten Tag war dann ausnahmsweise schon donnerstags und nicht erst freitags Ausflugszeit der Schule in den einzelnen Lerngruppen, da dieser Tag hier ebenfalls ausgiebig und auf ganz eigene Weise gefeiert wird. Leider ist es mir an hiesiger Stelle nicht möglich, in großem Stile etwas über jene Traditionen zu lehren, da ich mich an diesem Morgen aus unerklärlichen Gründen (...) nicht dazu aufraffen konnte, mein Bett vor Mittag wieder zu verlassen. War also eher ein entspannter Tag für mich mit meiner Gastfamilie... ;-)

Freitag war dann normal Unterricht und nach der Schule hab ich mich noch kurz mit Lisa getroffen, um letzte Absprachen für den nächsten Tag zu treffen. Da hieß es nämlich endlich, endlich, endlich: Machu Picchu, wir kommen!

 

Über Machu Picchu selbst groß etwas zu schreiben, ist allerdings wirklich nicht einfach! - Aus dem simplen Grund, dass es dem, was man dort geboten bekommt, gar nicht gerecht werden KANN und ich will an diesem Punkt nur jedem, dem es irgendwie möglich ist, raten, es sich einmal mit eigenen Augen anzusehen und selbst ein Bild zu machen, ES LOHNT SICH!!

Allein die Atmosphäre dort ist etwas ganz Besonderes und wirklich irgendwie magisch, so dass wir am Ende unserer Führung mit Guide und den anschließenden Erkundungen auf eigener Faust einfach noch für eine gute halbe Stunde dagesessen sind und den Ort und seine Stimmung genossen haben.

Ansonsten ist vielleicht noch kurz zu erwähnen, dass wir uns ausschließlich für eine Zwei-Tages-Tour anstelle einer der großen mehrtägigen Trekkingtouren entschieden haben. Dabei sind wir Samstagmorgen von einem Autobus am Plaza de Armas abgeholt worden und mit diesem dann richtung Aquas Calientes aufgebrochen, wobei wir zwei kleinere Stopps für den Snack- und Getränkekauf und einen größeren für das im Preis enthaltene Mittagessen in Santa Teresa (ein kleines, im Gegensatz zu Cusco sehr tropisches Dorf) machten. Schließlich wurden wir von dem Autobus am frühen Abend am Anfang der Zugstrecke nach Aquas Calientes abgesetzt und hatten schließlich noch einen etwa 3-stündigen Fußmarsch entlang der Bahnschienen zu absolvieren. Dieser Marsch zu unserem Hotel war für meinen Geschmack nach der langen - und typisch peruanisch nicht ganz gemütlichen und angstfreien Fahrt; auf einer ziemlich schlechten und sehr schmalen Straße mit steilen Abhängen auf beiden Seiten - eigentlich recht angenehm. Außerdem muss man sagen, dass die Landschaft sowohl während der Autofahrt als auch während des anschließenden Gehens wirklich unglaublich schön und ziemlich faszinierend ist. Man bekommt nocheinmal eine ganz andere Fauna zu sehen als in den vergleichsweise großen Städten und den Gebieten rund um Cusco und Lima. Hier hat die Umgebung fast Regenwaldcharakter und allein die Eindrücke, die man auf dem Weg bekommt, haften sich schon positiv im Gedächntnis fest.

Ach ja, was ich vergessen hatte zu erwähnen... Natürlich lief die Autofahrt - peruvian style again! - nicht ganz so reibungslos ab und wir hatten bereits nach nicht einmal einer halben Stunde Fahrt eine Reifenpanne, die sich den ganzen Trip über irgendwie nie so richtig beheben ließ. Schließlich gesellte sich auf halber Strecke zu dem einen, eigentlich vollkommen kaputten Reifen, noch ein zweiter, leicht angeschlagener hinzu. Ja, in der Tat ein "beruhigendes" Gefühl auf der, wie bereits erwähnt, sowieso schon ziemlich abenteuerlichen Strecke... ;-)

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Durch diverse ungeplante Stopps, als Fahrer und Tourleiterin immer mal wieder Versuche starteten, die Reifenpanne(n) zu beheben - unter anderem mit einem Ersatzreifen, der nur leider auch schon deutlich bessere Tage gesehen zu haben schien (...) - hinkten wir unserem Zeitplan etwas hinterher, was wiederum dazu führte, dass aus unserer Wanderung zum Hotel eine richtige Nachtwanderung wurde, was durchaus einen leichten Gruselfaktor hatte, entlang der einsamen Bahnschienen, nichts als Urwald, Fluss, Schlucht und Berge um einen herum, so vollkommen ohne Wegbeleuchtung (abgesehen von meiner Handytaschenlampe ;D) und ohne der absoluten Überzeugung, dass wir uns überhaupt auf dem richtigen Weg befanden. Schließlich erreichten wir alle Aquas Calientes aber unbeschadet, nahmen noch schnell gemeinsam ein kurzes Abendessen ein und gingen dann ins Bett, um am nächsten Tag Machu Picchu auch in aller Früh genießen zu können.

Sonntag Abend kamen wir dann nach einem wirklich unglaublich tollen Wochenendausflug, an einem der mit Sicherheit beeindruckensten Orte überhaupt, wieder in Cusco am Hauptplatz an. Ich sage es gerne nochmal: Ich kann einen solchen Zwei-Tages-Trip - oder je nach Geschmack auch eine der Trekkingtouren, Freunde von mir waren auch davon begesitert, man sollte jedoch eine gewisse Fitness mitbringen ;D - wirklich nur jedem ans Herz legen. Auch unsere Gruppe war wirklich gut, mit einigen sehr lustigen und netten Leuten (dazu mal wieder aus aller Welt - Irland, Australien, Schweden, Portugal, Kanada und (wir - ) Deutschland).

 

Vergangene Woche hatte ich dann wieder einmal Spanischunterricht mit neuen Lehrern und in einer neuen Gruppenkonstellation. Arjen war am Montag aufgrund persönlicher Begebenheiten für eine Woche zurück nach Holland geflogen, dafür war Mark seit Freitag von seinem Machu Picchu Trekking zurück und hatte sich entschlossen, noch eine Woche länger als geplant in Cusco zu verweilen, damit ich (sein Wortlaut) "nicht so alleine war, ich brauchte schließlich Freunde!" ...

...Ja, die Unterrichtswoche war auf jeden Fall sehr, sehr lustig und trotz mehrfacher extreeemer Müdigkeit unsererseits auch recht lehrreich. Besagte Müdigkeit rührte daher, dass wir die Tage und Abende/ Nächte über sehr viele neue Plätze, Restaurants, Bars und Clubs ausprobierten und meist ziemlich spät nachhause und ins Bett kamen. Ich glaube aber, unsere beiden Lehrerinnen mochten uns zwei trotzdem ganz gut leiden und wir stellten uns auch unter "erschwerten Bedingungen" nicht zu dumm mit dem Spanisch an, sondern machten vielmehr schon auch deutliche Fortschritte. Trotzdem hatten wir nach Ende der Woche ebenfalls einen gewissen "Chaotenruf" unter den extrem klatschfreudigen Lehrern weg, spätestens nach dem leicht verkateterten Freitag und Marks sensationeller Story über uns beide, die wahren Zutaten von "Inca Kola", dem Weihnachtsmann und einem Einhorn (...)

 ...Nein, so schlimm waren wir nicht! - ...zumindest nicht wegen des Alkohols - ...wir waren auch in absolut nüchternem Zustand nicht besser! - ... WIRKLICH! - ...Nicht, dass hier jetzt falsche Eindrücke entstehen - ...Wollte ich nur mal klarstellen! ;-)

Neben dem Partymachen waren wir außerdem u.a. Souvenirs shoppen, Fußball gucken (ich endete beide Male damit, mir Chelsea anzuschauen!!! Und das nach dem vollkommen unverdienten (!) und beschämenden (!!) Championsleague-Sieg gegen Bayern vergangene Saison im eigenen Stadion in München!! ....allerdings muss ich an der Stelle auch zugeben, dass sie überraschenderweise diese Spielzeit ebenso in der Lage sind, richtig schönen und spannenden Fußball zu praktizieren....) und das erste Mal Alpaka essen (schmeckt wirklich sehr lecker!).

Sonntag ist Mark dann (leider) abgereist, um sich noch die umliegenden Länder anzusehen, bevor es für ihn dann schlussendlich zurück nach England geht.

Hier sei aber auch einmal gesagt, dass es echt super ist, dass man so einfach so viele Leute aus verschiedenen Teilen der Welt trifft und kennen lernt. Gestern hab ich spaßeshalber schon mal überlegt, wieviele Reisen ich in Zukunft bereits mit Besuchen von Freunden verbinden könnte und das sind echt ne ganze Menge. Viele Möglichkeiten also, meinem Fernweh auch nach dem Abenteuer Peru weiter nachzugeben und "die Welt zu erkunden" ;-) ...und dann natürlich auch Leute wiederzusehen, deren Abschied hier jetzt erstmal etwas schwer fällt.

 

Ja, nachdem jetzt also meine gesamte Spanischschulgruppe vom Anfang fort ist, werde ich wohl die letzten beiden Unterrichtswoche mit Individualunterricht verbringen, was aber - wie ich bereits glaube festgestellt zu haben - auch nicht die schlechteste Option und wirklich recht effektiv ist.

 

So... Schlussendlich nun nochmal zu dem leidlichen Erlebnis mit meinem heiß und innig geliebten iPhone...

Aber ich will es kurz halten:

- JA, es ist wirklich eine unnötige Aktion, JA, es handelt sich dabei um ein nicht ganz billiges Handy und JA, es waren allerhand persönliche Erinnerungen wie Fotos, Notizen und Nachrichten darauf, deren Verlust ich auch wirklich bedauere

 - ABER... Ich kann es jetzt auch nicht mehr ändern, denn es ist nun einmal passiert.

Dennoch war dieses das einzige wirklich negative Erlebnis zwischen all den anderen schönen, lustigen, beeidruckenden und rundum positiven, dass ich jetzt mit Sicherheit auch keinen Grund sehe, mir davon nun den ganzen bisherigen Aufenthalt vermiesen zu lassen.

Darum zu guter Letzt: Danke an alle Trauerbekundigungen, gute Zusprüche und psychische Aufbauarbeiten sowie (vor allem Davids!) Versuche, es doch noch irgendwie zurück zu bekommen - wenn diese auch eigentlich logischerweise vergebens waren! Und natürlich danke Mum und Dad, dass ihr ja schon eine recht brauchbare Lösung gefunden habt! ;-)

Also:

 

R.I.P.

Liebes iPhone,

Du hast mir ein knappes Jahr lang sehr gute Dienste geleistet, wenn du nun auch leider viel zu früh von mir gegangen bist!

 

Joah, soweit so gut.

Das wars auch erstmal von mir, wir hören hier in jedem Falle wieder voneinander, auch wenn ich es in Zukunft tunlichst vermeiden werde, Versprechungen bezüglich Besserungen meinerseits abzugeben. Mal ehrlich: Wer mich kennt, weiß - Es kann gut mal seine Zeit dauern bis der nächste Blogeintrag kommt, aber er wird kommen und wenn er dann kommt, kommt vieeeel Lesestoff.

So bin isch halt nun mal, nisch wahr?! :D

 

Ganz liebe Grüße,

eure Anna

Dienstag, 30.10.2012

Lang, lang ist's her...

...als ich mich hier das letzte Mal zu Wort gemeldet hab. An dieser Stelle gleich mal ein dickes Entschuldigung dafür! ...An alle, die sich schon Sorgen gemacht haben; an alle, die sehnsüchtig Neuigkeiten aus dem fernen Peru entgegengefiebert haben und auch an alle anderen, denen es sowieso egal war ;-)  - Also sorry, sorry, sorry und ich gelobe Besserung!!!

 

In der Zwischenzeit ist auf auf jeden Fall allerhand los gewesen und ich hatte zum Einen bereits die Gelegenheit viele tolle Orte hier zu besuchen und zum Anderen hab ich mich nun praktisch schon vollends eingelebt und mich an das alltägliche peruanische Leben in Cusco gewöhnt - und genieße es, inklusive seiner trotzdem immer wieder auftretenden Überraschungen, nach wie vor in vollen Zügen!

 

Mein erstes richtiges Wochenende hier in der Fremde (das nun auch schon wieder fast eineinhalb Wochen her ist...) hab ich auch sogleich zu verschiedenen Erkundungen genutzt, zudem wir ja am Freitag aufgrund einer Lehrerexkursion keinen Unterricht hatten.

So hab ich mich an meinem ersten schulfreien Tag gemeinsam mit Lisa und Jana, die auch in einer Wohnung im großen Praktikawelten-Apartment wohnt, an den Aufstieg hinauf zum Cristo Blanco gemacht. Davor hatte sich zwar keine von uns so wirklich schlau bezüglich des richtigen Weges gemacht, aber wir waren überzeugt, dass wir schon irgendwie irgendwann irgendwo ankommen würden... ;-)

Außerdem hatten wir unsere eigene Art peruanischen "Guide" dabei, den Jana auf ihrem Ausflug nach Machu Picchu das Wochenende zuvor kennen gelernt hatte. Als wir dann losmarschiert waren, informierte unser Führer uns allerdings, dass er bisher eigentlich selbst noch nie direkt beim Cristo Blanco gewesen war und so stapften wir etliche steile Stufen und Hänge hinauf, quer über Wiesen und durch Wälder und als wir schließlich die weiße Christus-Statue erblickten, die schützend ihre Hände über der Stadt ausbreitet, merkten wir, dass wir den totalen Umweg gegangen waren! Doch trotz des etwas mühsamen Aufstieges (man muss hierbei bedenken, dass wir zu diesem Zeitpunkt erst seit weniger als einer Woche in der enormen Höhe lebten und wirklich viele Menschen über große Atemprobleme am Anfang klagen!) fand ich den Umweg nicht weiter schlimm, wobei man dabei auch sagen muss, dass ich eigentlich durchgehend gut mit dem Höhenunterschied und der Luft hier klar komme und so gut wie keine Beschwerden vorweisen kann.

Zumindest hatten wir so viele Gelegenheiten, den wundervollen Blick auf Cusco zu genießen, der allerdings am meisten ganz oben auf dem "heiligen Berg" beim Cristo Blanco beeindruckt, so dass wir dort oben natürlich gleich reichlich Fotos geschossen haben. Dabei hatten wir enormes Glück, da uns dann auch gleich noch ein bunt geschmücktes Alpaka als absolut authentisch peruanisches Fotomotiv vor die Kamera gelaufen ist. :-)

Anschließend wurden wir von "unserem" Peruaner noch eingeladen, sein Dorf - ebenfalls fast ganz oben in den Bergen - anzuschauen und schließlich bei einem kurzen Hausbesuch noch schnell Mama, Schwester und Hund vorgestellt und haben ein paar Mandarinen zur Stärkung erhalten.

Zu guter Letzt hat er uns dann wieder unten in Cusco angekommen noch jeweils einen frisch gepressten "Jugo" (Fruchtsaft) auf dem kleinen San Pedro Markt direkt hier in der Stadt spendiert - vielleicht auch als kleine Entschädigung dafür, dass er sich während unseres Ausflugs mit Freuden vor allem auf Lisas (aufgrund in seinen Augen mangelnder Kondition) und meine (aufgrund ganz offensichtlich noch mangelnder Spanischkenntnisse) Kosten amüsiert hatte ;-)

 

Samstags haben Lisa und ich uns dann einen vergleichsweise ruhigen Tag in Cusco selbst und uns mit unserer Heimatstadt auf Zeit etwas vertrauter gemacht. Dabei haben wir bereits ein paar Souvenirs - in meinem Fall einen bunten Schal und ein T-Shirt - und typische Touristenbilder erstanden und zum Ende des Nachmittags hin sehr gut und seeeehr reichlich in "Jack's Café" (einem von Australiern geführten Restaurant nahe der Sprachschule, das wirklich sehr zu empfehlen ist!) für gerade mal ca. 20 Soles gegessen.

 

Am Sonntag haben wir erneut den steilen Weg zum Cristo Blanco bestritten, einerseits um dieses Mal noch ein Stückchen weiter zu gehen und uns die Ruinen von Sacsayhuamán anzuschauen, andererseits haben wir dann aber doch nochmal einen Zwischenstopp beim Cristo gemacht, um vor allem den tollen Ausblick Helen und Johanna zu präsentieren, die ein Tag zuvor aus Deutschland im Apartment angekommen waren und uns begleitet haben. Als wir schließlich noch die alten Inkaruinen angesehen hatten, sind wir die vielen vielen Stufen wieder heruntergestiegen und haben uns nochmal einen "Jugo" in San Pedro genehmigt und Helen und Johanna ein kleines bisschen in Cusco herumgeführt.

Danach bin ich zurück zu meiner Gastfamilie gefahren, wo ich pünktlich zum Mittagessen Cassandra kennen gelernt hab, die gerade aus Paris angekommen ist, um hier in Cusco Freiwilligenarbeit in Form von Englisch-Unterricht zu absolvieren und unsere Familie für sechs Wochen um noch ein Mitglied reicher machen wird. Nach dem - wie immer sehr leckeren - Essen bin ich mit meiner Gastmutter, meinen Gastschwestern und Cass in die Klinik ganz in der Nähe von unserem Wohnhaus gegangen. Der Klinik wird von Teilen der Familie so gut wie jeden Sonntag ein kurzer Besuch abgestattet, um den Mitarbeitern vor Ort mit den vielen kranken Kindern, die dort leben, zu helfen und auch um den kleinen Oskar zu besuchen.

Ich muss sagen, dass es auf der einen Seite gerade im ersten Moment echt ziemlich schockierend war, all das Elend, das dort herrscht, zu sehen. (Es gibt dort vergleichsweise wenig Mitarbeiter/-innen für sehr viele, sehr kranke Kinder. Die meisten Krankheiten der Kinder sind chronisch und scheinen sie vor allem auf den ersten Blick ziemlich stark zu beeinträchtigen, sodass viele z.B. gar nicht laufen können und im Rollstuhl sitzen, sich nicht richtig bzw. nicht ohne Hilfe bewegen können oder nicht sprechen können. Außerdem ist die Einrichtung dort sehr, sehr spärlich und die Kinder teilen sich ungefähr zu 10-15 einen Schlafraum.) Auf der anderen Seite und nach Überwindung der ersten kurzen Verunsicherung und aufkommenden Traurigkeit/ Mitleid, hat es aber wirklich enorm viel Spaß gemacht und wirklich gut getan, sich mit den Kindern zu unterhalten und bei der Essensvergabe und teilweise Fütterung zu helfen und ich denke, ich werde meine Gastfamilie noch des Öfteren dorthin begleiten.

Zum Ausklang des Tages und Wochenendes gleichermaßen habe ich dann noch mit meiner kleinen Gastschwester, meinem Gastbruder und meiner Gastmutter einen spanischen Film angeschaut - glücklicherweise mit englischen Untertiteln zum besseren Verständnis für meine Wenigkeit ;-)

 

Auch die folgende Woche habe ich zumeist sehr genossen, in der Sprachschule an meinem Spanisch gefeilt und nach der Schule mit verschiedenen Leuten ein bisschen in der Stadt gebummelt oder was Trinken bzw. ab und zu zur Abwechslung zu den Mahlzeiten mit meiner Gastfamilie auch in der Stadt was Essen gegangen. (Es ist einfach nach wie vor unglaublich, für wie wenig Geld man hier richtig lecker Essen kann!)

Dienstags hab ich dann außerdem Cass, meine französische Gastschwester, auf eine Busrundfahrt und Sightseeing-Tour durch die Stadt und - das dritte Mal in fünf Tagen - hinauf zum Cristo Blanco begleitet. Dabei hab ich nochmals viele schöne Impressionen von Cusco erhalten und natürlich auch fleißig Fotos gemacht. Anschließend haben wir uns noch auf einen Kaffee in "Jacks's Café" mit ihrer Freiwilligenkoordinatorin Angelika getroffen, die ursprünglich auch aus Deutschland kommt und seit ca. einem Jahr hier mit ihrem peruanischen Freund lebt, den sie auf einer Reise nach Peru in dem Hostel, in dem er arbeitet, kennen gelernt hat. In besagtem Hostel, in dem sich nämlich auch ein "Irish Pub" befindet, haben Cass, Angelika und ich uns dann noch mit David und ein paar Freunden von ihm auf ein "Cusquena" getroffen.

Das Bier hier schmeckt zwar wirklich gut, ist aber auch sehr stark und wird üblicherweise in ziemlich großen Flaschen verkauft - was meinem Magen gepaart mit dem Whiskey, der uns zusätzlich von ein paar irischen Stammgästen angeboten wurde, nicht ganz so gut bekommen ist. Zumal mir mein Magen in den Tagen zuvor sowieso schon ein paar kleinere Probleme bereitet hat, was zwar für Europäer hier nichts ungewöhnliches, wohl aber etwas nervig ist! Vor allem, weil mein Magen nach wie vor schnell empfindlich auf verschiedene Speisen und Getränke bzw. allgemein auf zu deftiges Essen reagiert.

 

Freitag hatten wir dann mit unserer "Schulklasse" zwischen den jeweils zweistündigen Spanischeinheiten einen kleinen Ausflug ins Inkamuseum und anschließend noch etwas Pause, die Arjen, Mark, Susan und ich zunächst für ein Mitagessen in "Jack's Café" (man merkt schon - Stammrestaurant/-kneipe xD) und anschließend noch für einen Besuch im Schokoladenmuseum und kleineren Spaziergängen durch die Stadt mit mehreren "Jugo"-Stopps zwischendurch genutzt haben.

Am Abend hat die Sprachschule dann etwas ganz besonderes veranstaltet: Oktoberfest à la Cusco.

Das durfte ich als urbayerische Münchnerin (...) mir natürlich nicht entgehen lassen und ich muss sagen, das defintitiv NICHT bayerische Bier, die mehr oder minder bayerischen Würstchen und die zwischendurch SEHR bayerische Musik mitten im Herzen von Peru war durchaus sehr amüsant! ;-)

Nach ausgiebigen Feiern in der Schule ist der Großteil von uns dann inklusive der Lehrer in einen Club am Plaza de Armas - dem Hauptplatz hier in Cusco - gegangen, um die Party dort fortzusetzen. Hier ist übrigens jeder Club frei von Eintrittsgeldern und sowas wie Passkontrolle kennt man sowieso nicht ;-) ...Schlussendlich bin ich noch bis ca. 2 Uhr auf das ein oder andere Tänzchen und einen Moquito geblieben und musste anschließend feststellen, dass ich mir doch dringend ein peruanisches Handy zulegen sollte, da mein deutsches hier nicht unbedingt zuverlässig funktioniert und meine Gasteltern mich doch etwas in Sorge erwartet haben, da sie sie die Nachricht über meinen Verbleib nicht erhalten hatten...

 

Der Samstag fiel dann aufgrund meines Magens und seiner Unfreude über den (zwar alles andere als ausschweifenden, aber aufgrund der angesprochenen Sensibilität meines Magens ausreichenden) Alkoholgenuss vom Vortag für mich eher ruhig aus, was aber zur Abwechslung im Endeffekt bestimmt auch nicht schädlich war.

 

Gestern sind dann schließlich Arjen, Lisa, Helen, Johanna und ich mit dem Bus nach Pisac gefahren, wobei ich zuvor mal wieder eine Taxifahrerbegegnung der original peruanischen Art hatte, nachdem dieser über die ganaue Lokalisation des Treffpunktes, der mir von Lisa genannt wurde, absolut keine Ahnung hatte und mich irgendwo (!) in Cusco rausgelassen hat und ich schließlich unter der Führung eines hilfbereiten peruanischen Ehepaars durch die ganze (!!!) Stadt geirrt bin, um schließlich doch noch am Ziel anzukommen. Jedenfalls ging es dann - für mich und einige andere aufgrund des akuten Sitzplatzmangels die ganze Fahrt über stehend und dabei hin und her schwankend - die sehr kurvige Strecke mit dem Bus in Richtung Pisac. Dort haben wir uns als erstes die gewaltigen Inka-Ruinen angesehen und sind dann ausführlich über den wirklich wunderschönen Markt geschlappt.

 Bevor wir zu guter Letzt die extrem abenteuerliche, aber sehr lustige Taxifahrt zurück nach Cusco angetreten sind (inklusive peruanischer Frau im Kofferraum zu sechs Fahrgästen in einem kleinen Taxi, das an der "leicht" (*hust*) korrupten peruanischen Polizei nur durch Bestechungsgeld des Fahrers von stolzen 5 Soles (...) vorbeigekommen ist...) haben wir in einem total schönen und gemütlichen Restaurant noch richtig typisch peruanisch zu Mittag/Abend gegessen - ich glaube, das war mein erstes peruanisches Essen außerhalb der Gastfamilie ;-)

Dafür haben wir dann, wieder am Plaza de Armas in Cusco zurück, gleich ganz unperuanisch im McDonald's auf einen großen McFlurry vorbeigeschaut^^

 

Heute hatte ich dann wieder normal Spanisch-Unterricht, wobei Arjen und ich allerdings im Moment nur noch zu zweit sind, weil Barry und Susan ihre Sprachschulzeit bereits beendet haben und Mark bis Mitte der Woche in Machu Picchu ist, doch im Prinzip ist eine noch kleinere Klasse gar nicht so schlecht, weil man so selbst noch mehr Spanisch spricht. Nach der Schule und einem schnellen Mitagessen haben sich Lisa und ich dann unsererseits zwecks einer Tour nach Machu Picchu schlau gemacht und werden morgen wahrscheinlich für kommendes Wochenende buchen. Hach ja, ich freu mich natürlich schon sehr darauf! :-)

 

Sooo, ich glaub, das waren die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage in mehr oder minder kurzer Zusammenfassung...

 

Zwei Dinge, die hier allerdings definitiv nicht unerwähnt bleiben dürfen, ist zum Einen die wirklich enorme Begeisterung der Peruaner oder allgemein der Südamerikaner über vorzugsweise blonde Touristen und ich hab die vergangenen eineinhalb Wochen sicherlich zwanzig Fotos mit Einheimischen machen müssen. (Und das ist dabei bestimmt eher unter- als übertrieben!!! Allein bis alle Kinder einer Schulklasse am Plaza zufrieden waren, war bestimmt eine halbe Stunde vergangen! Und gestern bei den Ruinen in Pisac war eine Gruppe peruanischer Jugendlicher so aufgeregt, dass sie das Foto beinahe nicht hinbekommen hätten und sich schließlich nach eifrigem Überlegen über die korrekte englische Fragestellung doch nicht getraut hatten, uns nach unseren Namen zu fragen xD). Auch ansonsten bekommt man hier als blonde Frau recht häufig hinterhergeschaut oder -gepfiffen bzw. wird auch mal recht eindeutig angesprochen. Dabei wurde bisher aber wirklich niemand grenzüberschreitend oder ähnliches - zum Glück!

Das andere, was hier einfach noch Erwähnung finden muss (!), ist Davids extrem cooles Auto-Spiel auf seinem uralten peruanischen Handy, nach dem ich ungefähr sowas von süchtig bin und es innerhalb einer halben Stunde schon beinahe geschafft hatte, seinen in drei Wochen hart erarbeiteten Highscore zu knacken! Den Tag danach ist der Feigling nach Machu Picchu abgehauen und ich konnte nicht weiterspielen, aber wenn ich mir dann morgen wahrscheinlich mein eigenes peruanisches Handy kaufen werde, weiß ich schon, was in Zukunft eine meiner Hauptbeschäftigungen sein wird ;-)

 

Trotzdem werd ich ganz bestimmt mein Bestes geben, den Blog nicht wieder so sträflich zu vernachlässigen, damit ihr auch schön auf dem Laufenden bleibt und ich dann nach vielen, vielen Tagen nicht wieder solche Massen an Text verfassen muss, dass es für ganze Enzyklopädien reichen würde! (- Okay, wer mich kennt, ist sowas ja eigentlich eh gewohnt^^)

 

Ich hoffe, ihr habt trotzdem weiterhin Spaß damit, meinen Blog zu lesen und bis hoffentlich - ich werd mich anstrengen!! - ganz bald!

 

Chao,

eure Anna

Freitag, 19.10.2012

"Einwöchiges" (...zumindest beinahe!)

Soooo, nachdem ich jetzt seit vier Tage fleißig mein Spanisch in der Sprachschule - und anschließend durch Anwenden des frisch Gelernten in der Gastfamilie - aufbessere und auch ansonsten ein bisschen mehr Zeit hatte, mich einzuleben und an alles Neue hier zu gewöhnen, dachte ich mir, es sei mal wieder an der Zeit, von mir hören zu lassen.

...Und ich muss vorneweg ganz klar sagen, ich fühl mich hier schon sehr, sehr wohl! :)

 

Meistens hatte ich diese Woche Spanischunterricht am Nachmittag, an manchen Tagen noch zusätzlich zwei Stunden vormittags. Damit blieb mir vor Beginn des Unterrichts oder in der Mittagspause schon genug Zeit, ein paar weitere Freiwillige aus Deutschland bzw. andere Leute aus der Sprachschule ein wenig kennen zu lernen. Außerdem hatte ich inzwischen die Möglichkeit, San Blas (das ist das Viertel, in dem sich die Sprachschule befindet) und die nähere Umgebung etwas zu erforschen und erste kleinere Einkäufe im Supermarkt zu erledigen - ich bin schon ganz süchtig nach "Inca Kola", DEM Erfrischungsgetränk schlechthin in Cusco! ;)

 

Aber ich muss sagen, auch der Spanischkurs selbst macht richtig Spaß! Ich hatte diese Woche bisher zwei unterschiedliche Lehrer - Karla und Franklin - die beide sehr locker und lustig drauf sind und wo es während dem "harten" Lernen auch immer wieder allerhand zu lachen gibt (wobei die Anführungszeichen hier wirklich nicht umsonst stehen, denn auch das Lernen selbst ist alles andere als trocken gestaltet und wird immer wieder durch kleinere Spiele oder ähnliches aufgelockert, beispielsweise unsere gestrige Runde Memory mit gegenteiligen spanischen Adjektiven - die ich nebenbei bemerkt souverän gewonnen habe... ein bisschen Angeben darf sein :P).

Allerdings muss ich auch anmerken, dass wir sowieso eine extrem coole Lerngruppe sind - und dazu äußerst multikulturell: Mich eingerechnet sind wir fünf Schülerinnen und Schüler aus fünf verschiedenen Nationen in meinem Kurs. Neben mir als Deutsche habe wir noch einen Holländer, einen Iren, eine Koreanerin und einen Engländer. Ich denke, auch für die Lehrer dürfte es dadurch sehr amüsant gewesen sein, die verschiedenen Dialekte je nach Herkunft bei unseren ersten spanischen Sprechversuchen zu hören ;-)

 

Eine Sache, die mich übrigens echt gewundert hat: Ich habe jetzt schon relativ viele Leute hier getroffen, die extrem interessiert an der deutschen Sprache sind. So hat Franklin mir erzählt, dass er seit drei Monaten einen Deuschkurs direkt in Cusco besucht (heute durfte ich ihm nach dem Spanisch-Unterricht dann noch seine Deutsch-Hausaufgaben korrigieren xD) und auch Mark (der Engländer aus meinem Kurs und zumeist mein Sitznachbar) schaut mir immer wieder ganz fasziniert über die Schulter, wenn ich während des Kurses Vokabeln aufschreibe und will die korrekte deutsche Aussprache wissen. Völlig aus den Socken gehauen hat mich zu diesem Thema allerdings David gestern beim Mittagessen in der Gastfamilie, als er mir (fast) perfekt die deutschen Zahlen von 1 bis 10 auswendig aufgesagt hat, die ich ihm letztens aufschreiben sollte!

Und auch die Taxifahrer finden es immer äußerst spannend, wenn sie auf ihre Frage hin erfahren, dass ich aus Deutschland bin.

 

Oh ja... Taxifahrten hier in Cusco sind sowieso ein ganz spezielles Erlebnis für sich!

Erstmal ist es noch weit, weit untertrieben, wenn ich behaupte, dass jedes zweite Auto, das an einem vorbei fährt, ein Taxi ist. Wenn man nur mal kurz irgendwo stehen bleibt, halten bestimmt drei Taxis vor einem, deren Fahrer dich zum Einsteigen überreden wollen. (Zumindest so lange es hell ist - Bei Dunkelheit sind zwar immer noch mehr als genug Taxis unterwegs, jedoch sind sie dann sehr gefragt, da sie im Prinzip das einfachste und gleichzeitig auch sicherste Fortbewegungsmittel darstellen.)

Immer wenn ich dann aber in einem solchen Auto drinsitze, muss ich mir erstmal vorstellen, wie die Leute in Deutschland schauen würden, wenn sie ein solches Gefährt auf der Straße antreffen würden. Wobei die Überlegung in vielen Fällen eigentlich irrelevant ist, da sowieso weit über die Hälfte der Autos niemals auf Deutschlands Straßen zugelassen würden, da man oftmals das Gefühl hat, sie würden gleich auseinanderfallen ;-)

Das Tollste am Taxifahren ist allerdings, dass es nicht gerade selten vorkommt, dass die Fahrer selbst nicht so hundertprozentig wissen, wo genau sie eigentlich hin müssen... - Ich glaube, ich erwähnte bereits, dass Straßennamen hier nicht unbedingt einen hohen Stellenwert genießen - ganz zu schweigen von Hausnummern!

Dennoch bin ich inzwischen schon deutlich geübter darin, mein Fahrtziel klar und verständlich zu vermitteln und auch in Sachen Bezahlung läuft es nach den paar Tagen schon deutlich besser als noch ganz am Anfang.

Man muss sich eine Taxifahrt hier nämlich in etwa so vorstellen: Zuerst einmal wird eines der vielen Taxis herangewunken, dann nennt man von draußen an der heruntergelassenen Scheibe sein Ziel, woraufhin der Fahrer angibt, ob er die genannte Adresse auch kennt (bzw. eigentlich behauptet zumindest jeder sie zu kennen. Dass man dann aber nicht doch noch Ewigkeiten irgendwo in der ungefähren Nähe rumgurkt, ohne aber wirklich ANZUKOMMEN, ist damit noch lange nicht garantiert!). Schließlich wird vom Fahrer ein Preis genannt. Nun berechnet sich dieser aber nicht ausschließlich nach der ungefähren Kilometerzahl, sondern zu einem Großteil nach dem Aussehen des Fahrgastes - will heißen: Von Touristen wird eigentlich immer weitaus mehr verlangt als von den Einheimischen und mir sieht man nun mal auf eine meterweite Entfernung an, dass ich garantiert nicht von hier bin. Zunächst hab ich somit immer fast das Doppelte des üblichen Preises gezahlt, wobei mein Gastvater mir tausendmal eingebläut hat, bloß nicht mehr als 3,50 Soles zu bezahlen!

Aber wie gesagt, ich werde von Mal zu Mal besser im Preis runterhandeln oder lehne ein Angebot auch einfach mal ab - inzwischen weiß ich ja mit Sicherheit, dass das nächste Taxi  sowieso praktisch übergangslos folgen wird ;-)

...Und mal davon abgesehn: Im Prinzip sind alle Preise hier verglichen mit denen in Deutschland so oder so extrem (!) niedrig.

 

Die zweiten von den Peruanern häufig gebrauchten öffentlichen Verkehrsmittel sind die Busse, die ich nun aber auch noch schnell vorstellen muss. Ich bin mit einem solchen bisher ein Mal gemeinsam mit meinem Gastvater gefahren - und das war noch einmal ein krasserer Kulturschock und ein noch faszinierenderes Erlebnis als jede noch so chaotische Taxifahrt.

Die Busse gleichen von der Größe und ihrem Äußeren her einem durchschnittlichen VW-Bus, nur dass sie ebenfalls zumeist recht mitgenommen und klapprig aussehen und zwischen die einzelnen Menschen im Inneren kaum mehr ein Blatt Papier passt. Werden bei uns zuhause die Haltestellen elektronisch angezeigt und ein Haltewunsch per Knopfdruck geäußert, steht hier ein ziemlich gestresst wirkender Mann an der Tür und ruft jeweils den Namen des nächsten möglichen Stopps. Will man an einem solchen aussteigen schreit man möglichst laut <<bajo>> (das heißt so viel wie "ich steige aus") und bezahlt schließlich noch schnell seine Soles, bevor man sich aus dem überfüllten Bus quetscht - für ca. 10 Min. Fahrt waren das 0,60 Soles, umgerechnet also weniger als 20 Cent!

 

Und auch ansonsten war Cusco in meiner ersten knappen Woche immer mal wieder für eine Überraschung gut - meistens waren das dabei aber gute oder auf eine positive Weise unerwartete Überraschungen.

Einmal stand ich allerdings kurz vor einem spontanen Herzinfarkt, als morgens plötzlich ein extrem mitgenommen aussehender sowie stinkender Hund in meinem Zimmer direkt neben dem Bett auftauchte und mich ziemlich unfreundlich anknurrte. Nach kurzer Schockstarre hab ich aber insofern reagiert, als dass ich mein Kissen an ihm vorbei auf den Flur geworfen hab und nach geglückten Ablenkungsmanöver schnell aufgesprungen bin und meine Tür zugezogen hab (meine Gastfamilie hat hauptsächlich hölzerne Schiebetüren, die die kleinen Schlafzimmer ein bisschen wie Schiffskojen wirken lassen). Schließlich kam meine Gastmutter mit dem Besen angerannt und hat den Hund über den Balkon wieder die an diesen andockende Wendeltreppe den Weg hinutergejagt, den er scheinbar auch irgendwie hereingekommen war.

 

Ja - so viel erst einmal von mir. Ich werde meine weitere Zeit in Cusco mit Sicherheit noch in vollen Zügen genießen.

Morgen fällt aufgrund irgendwelcher Lehrerexkursionen der Unterricht aus und ich werde mit ein paar Anderen eine kleine Tour zum "Cristo Blanco" machen, dem "weißen Christus" auf einem Berg ganz in der Nähe, und auch ansonsten sind für das Wochenende schon einige Überlegungen für kleinere Ausflüge vorhanden.

 

Bis bald und bis dahin:

Chau, chau!

 

Montag, 15.10.2012

Hotelübernachtung in Lima und die ersten Tage in Cusco

Soo...Nachdem ich ja gestern schon ausführlich über meine Anreise berichtet habe, werde ich jetzt noch ein paar Eindrücke zu den ersten Erlebnissen in Peru nachreichen. :)

 

Wie bereits geschrieben habe ich meinen Transferservice zum Hotel schnell gefunden - der Mann war auch wirklich nicht zu übersehen und das lag weniger an dem großen Schild mit meinem Namen darauf, als viel mehr an seinem wilden Gewinke und Gerufe.

Er hat mich gleich sehr freundlich begrüßt ("Anna Martin? You're from Germany, right?") und mir ganz gentleman-like - wie übrigens fast alle Peruaner sind - den Koffer abgenommen. Hatte ich allerdings nach seiner Begrüßungsfrage gedacht, er könne super Englisch, hatte ich mich definitiv getäuscht und spätestens an dieser Stelle hab ich all meine Hoffnungen, in Peru mit Englisch weit zu kommen, gleich ein für alle Mal begraben. Doch auch wenn zwischen meinem Taxifahrer und mir nicht wirklich eine gemeinsame Sprache vorhanden war, haben wir uns auf der Fahrt doch sehr, sehr gut unterhalten. Scheinbar ist er äußerst interessiert an anderen Ländern und deren Kulturen und hat mir zu verschiedenen Orten stolz allerhand passende Begriffe präsentiert (Beispiel: Paris - Arc de Triomphe, Tour Eiffel, Baguette, etc.). Nachdem er erfahren hatte, dass ich aus München komme, war hier seine erste Assoziation natürlich so gleich... - Oktoberfest. (Er hat mich zusätzlich dann noch über dessen Entstehungsgeschichte aufgeklärt, worüber er definitiv mehr wusste als ich^^)

 ...Und auch wenn ich bis dato noch nicht wirklich viele Erfahrungsberichte über Lima gehört hatte, lieferte er die mit Abstand beste Beschreibung, zumindest für den Verkehr in Lima, da bin ich sicher ;D - "ES LIMA, ES KAMIKAZE."

Anders als "Kamikaze" kann man es eigentlich nicht beschreiben und wer es nicht einmal selbst erlebt hat, wird es sich nicht annähernd vorstellen können. Mir zumindest ist schleierhaft, warum sich irgend jemand die Mühe gemacht hat, auf Limas Straßen Stoppschilder oder Zebrastreifen anzubringen, da sie sowieso konsequent ignoriert werden. Die Fahrbahnmarkierungen werden dagegen zumindest wahrgenommen und genutzt, wenn auch bestimmt nicht so, wie ursprünglich gedacht. Sehr gerne wird aber DARAUF gefahren und sich an Ampeln quer darauf gestellt, wenn man eine Sekunde bevor das nachfolgende Auto an einem vorbeigerauscht wäre, noch schnell die Spur wechseln wollte, das aber von den anderen Verkehrsteilnehmer so gar nicht eingesehen (auch dann nicht, wenn es mal rechtzeitig und mit Blinker angekündigt wurde - sowieso die absolute Ausnahme!) und lieber mit lautem Hupen und einem extra Tritt auf das Gaspedal quittiert wurde. Wenn es überhaupt eine Regel für den Straßenverkehr dort gibt, dann: Wer am lautesten hupt, hat Recht. Das hat zur Folge, dass man sich ständig in einem Chaos aus Hupen, quietschenden Reifen und wüsten Beschimpfungen befindet.

Gleichsam überrascht und erleichtert, dass wir nicht Zeuge eines Unfalls wurden, wurde ich dann schließlich im Hotel abgeliefert und auf mein Zimmer gebracht, das ich mir mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland teilen würde. Wobei der Begriff "Zimmer" unserer Unterkunft mit Sicherheit nicht gerecht wird. Wir wohnten praktisch in einem Loft mit zwei großen Badezimmer - Whirlpool inklusive - Balkon, Arbeitszimmer und Wohnzimmer mit drei Couchen und einem riesigen Fernseher. Abgesehen von einer schnellen Dusche, habe ich das vorhandene Equipment allerdings nicht mehr weiter benutzen können, sondern bin totmüde ins Bett gefallen. Nur das Hup- und Sirenenkonzert von der Straße sowie die Tatsache, dass aus den Duschen dann leider kein Wasser kam und ich mit einer improvisierten Erfrischung aus dem Whirlpool Abhilfe schaffen musste, erinnerte daran, dass man sich jetzt tatsächlich in Peru, praktisch am anderen Ende der Welt, befand.

 

Der nächste Tag begann wieder mit einer schnellen "Dusche" und Haarewaschen aus dem Whirlpool (dieses Mal zumindest mit warmen Wasser), einem schnellen Frühstück und einer ähnlich lustigen Taxifahrt mit dem mir schon bekannten Fahrer zurück zum Flughafen. Da mit Lisa nun auch jemand anwesend war, mit dem er sich fließend auf Spanisch unterhalten konnte, wurden seine Themen noch einmal vertieft und ausführlich über das Schaffen von Pablo Picasso oder Leonardo da Vinci philosophiert.

 

Nach einigen kleineren Check-in-Problemen und einer leichten daraus resultierenden Hektik erreichten wir schließlich unser Flugzeug nach Cusco, das uns - abgesehen von einer Horde wild kreischender Teenies - ohne besondere Vorkommnisse in unsere neue Heimat auf Zeit brachte. Problemlos haben wir unser Gepäck wieder an uns genommen und sind schließlich in die Autos gestiegen, die uns in unsere jeweilige Behausung fahren sollten.

Ich wurde von meinem Gastvater abgeholt, der glücklicherweise so weit Englisch spricht, dass man sich vorerst so verständigen kann!

Auf der Fahrt erhielt ich bereits einen ersten Eindruck von Cusco. Hier sieht auf jeden Fall alles ganz, ganz anders aus, als man es aus deutschen Städten kennt. Man sieht so gut wie keine Fabrikgebäude oder moderne Bauten, sondern stattdessen einfache, alte - oftmals auch etwas ärmlich anmutende - Häuser, die meiner Meinung nach aber einen ganz eigenen Charme versprühen. Wir hielten schließlich vor einem etwas heruntergekommenem Wohnhaus und durchquerten einen staubigen Hof mit einem kaputten Fußballtor, vielen Wäscheleinen und zwei Hunden, die uns aber nicht weiter Beachtung schenkten. Über eine alte Wendeltreppe kamen wir schließlich in der zweistöckigen Wohnung meiner Gastfamilie an, wo uns die anderen Familienmitglieder (Sohn, ca. 20 Jahre; Tochter, ca. 20 Jahre und Tochter, 11 Jahre sowie meine Gastmutter) bereits an der offenen Tür begrüßten.

Außerdem war der kleine Oskar (2 Jahre) gemeinsam mit einer Mitarbeiterin aus der Klinik, wo er bisher meistens lebt, zu Besuch. Oskar hat keine Verwandten mehr und ist zudem schwer krank, das heißt er wird mit ziemlich großer Sicherheit nie sprechen und laufen können. Er ist aber schon jetzt ein Teil der Familie, was in ca. 3 Monaten mit einer Adoption offiziell bestätigt werden soll. Während ich von meiner Gastmutter mit Tee und Schokobananen versorgt wurde, erklärte mir mein Gastvater, dass Oskar heute getauft werde und die ganze Familie jetzt dann in die Kirche gehe. Ich überreichte ihnen noch mein Gastgeschenk und fuhr dann gemeinsam mit meinem Gastvater in die Sprachschule, wo auf Lisa, mich und einen Jungen aus Holland eine kleine Einführung durch Cusco wartete.

 

Manfred, der Koordinator der Sprachschule, zeigte uns ein paar wichtige und interessante Plätze wie Bars, zwei Supermärkte, einen Drogeriemarkt und Orte, an denen man Geld wechseln und peruanische Handykarten kaufen kann. Natürlich erklärte er uns auch noch einige Dinge wie die Benutzung der Taxis und Busse und führte uns ein wenig in der Sprachschule herum.

Anschließend lieferte er zuerst den Holländer wieder bei seiner Gastfamilie ab, ehe er mich zu meiner Gastfamilie zurück bringen und Lisa in das Praktikawelten-Apartment fahren wollte. Glücklicherweise hat mir mein Gastvater neben Schlüssel noch einen Zettel mit Viertel und Straßenname seines Hauses mitgegeben. Trotzdem trafen hier mein legendärer Orientierungssinn, Manfreds scheinbar nur wenig besserer und die Planlosigkeit mit Straßennamen der Menschen in Cusco allgemein aufeinander, so dass wir deutlich länger als geplant durch Cusco gurkten. Es war aber trotzdem recht unterhaltsam und wir sahen auf diese Weise gleich noch ein paar andere Ecken und Plätze. Nachdem der dritte Taxifahrer, den wir fragten, dann doch einmal Ahnung hatte, wo wir lang mussten, kam ich schließlich wieder wohlbehalten bei dem Haus meiner Gastfamilie an und verabschiedete mich bis Montag Mittag, wenn mein Sprachkurs beginnen sollte, von Lisa und Manfred.

 

Da meine Gastfamilie sowieso noch in der Kirche war, hatte ich erstmal Zeit, ein bisschen auszupacken und mich auszuruhen.

Als ich dann schon eine Weile wieder Gespräche von unten vernommen hatte, ging ich die Treppe hinunter und traf erstmal die gesamte Familie inklusive Brüder, Schwestern, Nichten, Neffen, der Oma und was weiß ich, wem noch alles, an. Die wohnen nämlich fast alle in dem gleichen Wohnhaus wie wir und somit sind öfters mal einzelne Familienmitglieder zu Besuch. Zur Feier von Oskars Taufe, zu der auch andere Kinder aus dem Waisenhaus eingeladen waren, die nun auch noch mit am Tisch saßen und mich mit großen Augen anstarrten, gab es dann erstmal ein lecker Mittagessen und eine große Torte für alle. Anschließend blieb ich noch ein bisschen bei den anderen sitzen, lauschte den Gesprächen und beobachtete die Kinder, die ganz fasziniert mit Seifenblasen spielten. Zwischendurch erkundigte sich mein Gastvater immer wieder, ob es mir auch gut ginge und spielte hier und da ein wenig den Dolmetscher. Gegen 18:00 Uhr war ich dann allerdings so fertig, dass ich mich für diesen Tag nach oben verabschiedete und kaum in meinem Bett angekommen (nach dem etwas ratlosen Versuch, den Sinn der bestimmt fünf vorhandenen Decken zu verstehen...) auch sogleich einschlief.

 

Über Nacht machte sich dann die lange Reise kombiniert mit der hohen Lage Cuscos doch etwas bemerkbar und ich fühlte mich auch am nächsten Morgen trotz fast vierzehn Stunden Schlaf nicht vollständig fit. Deswegen ließ ich den Tag auch eher ruhiger angehen, hab endlich die Steckdose (übrigens die gleichen wie bei uns in Deutschland - wofür zum Teufel hab ich mir extra einen Adapter bestellt?!^^) gefunden und das W-Lan an meinem Netbook sowie am iPhone zum Laufen bekommen und ansonsten fast ausschließlich gefaulenzt.

Zwischenzeitlich hab ich natürlich auch mit meiner Gastfamilie gegessen, es hat immer sehr lecker geschmeckt und es gab meistens etwas mit Huhn und Kartoffeln - und natürlich Mayonnaise, was hier in Peru scheinbar jeder liebt und zu fast allem gegessen wird.

Sehr lustig war auch das Frühstück, bei dem ich David kennen gelernt hab, einen Gast aus den USA, der auch für drei Monate bei der Gastfamilier hier lebt. Es war auf jeden Fall sehr angenehm, sich mal wieder ausführlicher mit jemandem unterhalten zu können, denn auch wenn alle sehr nett und bemüht um mich sind, ist es doch manchmal ein bisschen ein komisches Gefühl, wenn man nichts versteht, was um einen herum geredet wird. David hat mir dann jedenfalls schon mal etwas Spanisch beigebracht, während ich ihm im Austausch ein paar deutsche Wörter sagen sollte. So haben wir ein bisschen zählen geübt und die verschiedenen Frühstücksuntensilien dreisprachig benannt (Englisch, Spanisch, Deutsch). Ganz entsetzt war er allerdings über die Vielzahl der deutschen Artikel und dass es für diese im Prinzip keine festen Regeln gibt (mir sind zumindest keine eingefallen^^)... ;D

Auch an diesem Tag bin ich wieder relativ früh ins Bett gegangen, was sich aber insofern schon mal gelohnt hat, dass ich mich heute Morgen nach vielen Stunden Schlaf, reichlich Tee von meiner Gastmutter und einer frischen Dusche wieder deutlich fitter fühle.

 

Später geht dann endlich mein Spanischunterricht los, worauf ich mich schon sehr freue, auch weil ich dann noch ein paar andere Freiwillige aus Deutschland kennen lernen werde! :)

 

Bis dahin, macht's gut!

Hasta luego, eure Anna! :)

Sonntag, 14.10.2012

Anreise

Nachdem ich mich am Münchner Flughafen verabschiedet habe und erfolgreich durch den Sicherheitscheck gegangen bin, hatte ich meine erste original peruanische Begegnung gleich deutlich früher als erwartet: Beim Warten auf den Aufruf zu meinem Flug wurde ich von einem sehr enthusiastischen Peruaner angesprochen, der zunächst einmal freudig drauf los quatschte, bis er seine Rede dann doch - wahrscheinlich wegen meines wohl recht ratlosen Blickes - unterbrach, um sich zu vergewissern, ob ich überhaupt Spanisch spräche. Stolz, zumindest diese Frage verstanden zu haben (die er nämlich praktischerweise auch gleich auf Spanisch gestellt hat^^), verneinte ich und fragte im Gegenzug, ob er denn auch Englisch könne. Als Antwort erhielt ich ein überzeugtes "si, si" und einen weiteren Wortschwall, dieses Mal in einer wilden Mischung aus Spanisch (hauptsächlich) und einigen Brocken sehr eigenwilligem Englisch. Nun ja, ich denke, ich kann inzwischen bereits sagen, dass mir das doch eigentlich einen sehr guten Ausblick auf die Englischkenntnisse der meisten Südamerikaner erbracht hat ;-) ...Übrigens wollte er mich wohl auf ein Getränk am Flughafen einladen - glaub ich, so sicher bin ich mir da aber nicht. Jedenfalls wurde er dann von seiner Frau gestoppt, die mir noch einen leicht entschuldigenden Blick zuwarf und dann war eh schon Boarding.

 

Der Flug München - Amsterdam wäre eigentlich dann nicht weiter erwähnenswert - aufgrund der recht kurzen Flugdauer konnte man sich nach dem Abschnallen im Anschluss an die Startphase praktisch sofort wieder zur Landung anschnallen; viel zu sehen gab es im Prinzip auch trotz Fensterplatz nicht, da wir die ganze Zeit über ein dichtes, weißes Wolkenmeer geflogen sind - wäre da nicht doch eine Sache, die für den Rest der Reise nicht ganz unerheblich war: Wir hatten über eine Stunde Verspätung :O

 

Somit blieb mir in Amsterdam dann ca. eine halbe Stunde Zeit, um meinen Anschlussflug nach Lima zu erreichen - und praktischerweise stand auf meiner Boardingcard, die ich bereits in München erhalten hatte, noch nicht einmal das richtige Gate verzeichnet -.-

Also irrte ich zunächst vollkommen planlos im Eiltempo über den Amsterdamer Flughafen, mit einem Auge auf diverse Abflugtafeln schielend, mit dem anderen Aussschau haltend nach Menschen, die mir eventuell weiterhelfen könnten. Hierbei gab es allerdings das Problem, dass entweder meterweit erst gar kein Infopoint vorhanden oder ein solcher leider unbesetzt war oder aber der dort stationierte Mitarbeiter gaaanz beschäftigt irgendwas in sein Telefon gebrüllt und mich weitergewunken hat. Als ich dann doch noch von einem erfahren hatte, dass ich zum Gate F9 musste, folgte ich gefühlten Ewigkeiten dem Schild zu den Gates A,C,D,E,F und G. Schließlich teilten sich die F-Gates dann ab und das neue Schild enthielt außerdem die hervorragende Angabe, dass man diese in 14-34 Minuten erreichen würde. Fantastisch - wo mein Flug zu diesem Zeitpunkt in weniger als 20 Minuten abheben sollte. Ich setzte also zu einem Sprint an, den ich nur hin und wieder unterbrach, um mich beim Flughafenpersonal zu vergewissern, dass ich auch auf dem richtigen Weg war. Schlussendlich erreichte ich - nach Passkontrolle mit ewig langer Schlange und einem extrem peniblen Sicherheitscheck - erst wieder halb angezogen, mit offenen Schnürsenkeln sowie meinem Netbook und dem halben Handgepäck unterm Arm völlig abgehetzt, aber glücklich, endlich und vor allem pünktlich (!) angekommen zu sein, meinen Flieger.

 

Der Flug nach Lima gestaltete sich dann eigentlich sehr angenehm. Das Personal war sehr nett und das Essen war auch in Ordnung. Außerdem saß neben mir auf der anderen Seite des Ganges ein junges Ehepaar aus Schweden, mit dem ich mich länger und gut unterhalten habe. Ansonsten bin ich mir irgendwie nicht wirklich sicher, ob der Flug schnell vergangen ist oder nicht. Auf der einen Seite ist es schon krass, wenn man nach der Hälfte des Fluges auf seinem Boardcomputer sieht, dass man noch knapp 7 Stunden vor sich hat, auf der anderen Seite ist die Zeit dafür, dass ich eigentlich nichts gemacht habe, außer ein bisschen an dem Computer rumzuprobieren, diesen dem älteren holländischen Paar, das direkt neben mir saß, zu erklären, sehr viel zu essen und noch mehr zu trinken und ab und an für ein paar Minuten einzuschlafen, doch recht schnell vergangen. Ach ja... und die Unterlagen für das Touristenvisum, die man nämlich schon auf dem Flug bekommt und in Peru selbst dann nur noch vorzeigen muss und im Austausch dafür den richtigen Stempel bekommt, hab ich auch noch ausgefüllt. ...Beziehungsweise hab ich sie ausfüllen lassen, indem ich damit zu einer der Stewardessen gegangen bin, da die Unterlagen komplett auf Spanisch gehalten sind (sehr praktisch für ausländische Touristen!^^). Als ich mit den fertig ausgefüllten Zetteln zu meinem Sitz zurückgekehrt bin, hielten mich gleich diverse Leute für den Spanischcrack schlechthin und wollten sich bei mir Hilfe einholen, da sie selbst bereits verzweifelten... - hab sie dann alle zur Stewardess weitergeleitet ;-)

 

Durch das vorher Ausfüllen der Unterlagen war es dann eigentlich recht einfach, sein Visum zu bekommen, auch wenn man schon an den Schaltern gemerkt hat, dass Peruaner gerne mal ein wenig "die Ruhe weg haben". Darüber haben sich die deutschen Passagiere natürlich (!) gleich wieder mordsmäßig aufregen müssen und angefangen lauthals zu schimpfen - Tja, warum sind wir doch gleich wieder so "beliebt" im Ausland?! Hab mich also ein klein wenig für meine Landsleute schämen müssen ;(

Aber wie gesagt, ansonsten hat in Lima alles sehr gut geklappt, mein Koffer kam wie bestellt direkt vorbeigefahren, als ich das Gepäckband erreicht hab und meinen Abholer hab ich auch schnell gefunden.

Ja in diesem Sinne...Das war's erstmal von der Anreise - müsste ja nun eh mehr als genug Lesestoff sein ;-)

Hasta luego!

Donnerstag, 11.10.2012

Zustand zwischen freudiger Aufregung und aufgeregter Vorfreude - oder so ähnlich...

...Ja, wie in der Überschrift des Blogeintrages - mein erster übrigens, also an dieser Stelle zunächst einmal: Herzlich willkommen hier! Ich freu mich auf jeden Fall über jeden Besucher, auch Kommentare sind immer willkommen... - bereits angedeutet, ist es verdammt schwer, die Stimmung zu beschreiben, in der ich mich so kurz vor dem Beginn meiner großen Reise befinde.

Ich sitze hier in meinem Zimmer, der letzte Abend in Deutschland ist angebrochen und neben mir steht ein riesiger Koffer und ein Rucksack - beides fertig gepackt mit den Dingen, die ich aus meiner bisher gewohnten Umgebung in die Fremde mitnehme. Wenn ich sie mir so angucke und daran denke, wie ich morgen im Flugzeug sitze, München ganz schnell immer kleiner wird und schließlich ganz verschwindet und dann am Abend (in Deutschland ist es dann bereits mitten in der Nacht!) nach und nach immer mehr von Lima unter mir auftaucht... Da spüre ich auf jeden Fall ganz, ganz viel Vorfreude auf alles was da auf mich zukommen mag. Auf der anderen Seite macht man sich natürlich auch einige Sorgen und hofft, dass auch alles so klappt, wie man es sich jetzt vorstellt oder zumindest wünscht. Überhaupt versuche ich, mit möglichst wenig konkreten Erwartungen meine Reise zu beginnen, denn im Prinzip kommt eh immer alles anders, als man sich vorher ausmalt und nachher ist man entweder enttäuscht oder hat sich im Vornherein völlig umsonst wahnsinnig gemacht.

Mit Sicherheit kann ich aber sagen, dass ich euch hier regelmäßig über die Ereignisse in Peru auf dem Laufenden halten werde.

Und somit bleibt mir eigentlich fürs Erste nur noch zu sagen:

Hasta pronto, meine Lieben!